Dan Cooper Gesamtausgabe Band 7

Dan Cooper Gesamtuagsbae Band 7, Titelbild, Rezension
Albert Weinberg

Im Vorwort weisen die Herausgeber auf die zeitnahe Veröffentlichung von „Apollo ruft Sojus“ mit der Mondlandung 1969 hin. Es ist auch die zentrale und beste Geschichte dieses siebenten Sammelbandes und zeigt, wie minutiös sich Zeichner und Autor Albert Weinberg  auf die einzelnen Geschichten vorbereitet hat. Aber auch die schwimmenden Eisberge mit Spionagestationen in der abschließenden letzten Story unterstreichen, dass Weinberg nicht nur gegenwärtige Technik sehr gut abgebildet, sondern mit viel Phantasie auch extrapoliert hat. Selten sind Science Fact und Science Fiction wie im ersten und viertem Album dieses Sammelbandes passender aufeinander getroffen.

 Bevor Dan Cooper endlich als erster Kanadier zum Mond aufbricht, wird mit „Freier Fall“ eine der weniger als zwei Handvoll Kurzgeschichten um das kanadische Fliegerass zusätzlich nachgedruckt. Stationiert auf der Basis im deutschen Leer rettet Dan Cooper mit spektakulären Stunts einer in Not geratenen Kleinflugzeugbesatzung das Leben.

 Die Kurzgeschichte kann weder erzähltechnisch noch zeichnerisch an die aus heutiger Sicht Fototechnisch unglaublich erscheinende Realität des Mondabenteuers „Apollo ruft Sojus“ heranreichen. Zwar gibt es einen Hinweis auf das vierte Album mit den „Drei Kosmonauten“, aber wie bei allen anderen Science Fact Dan Cooper Geschichten, die entweder um Raumfahrtprogramme herum oder gar im erdnahen All spielen, fehlen Hinweise auf die Station des Brasilianers aus einer der frühsten Geschichten oder gar Dan Coopers Trip zu einem der Marsmonde. In der Chronologie hat Albert Weinberg über diese damals wie heute als Science Fiction erscheinenden Storys den Mantel der Vergessenheit ausgebreitet.

 Weinbergs Mission ist deutlich ambitionierter, wobei er den Start sowohl einer amerikanischen Rakete mit zwei US Bürgern sowie dem Kanadier Dan Cooper als auch einer russischen Rakete mit zwei Russen und einer Polin der Realität entnimmt. Zusätzlich als Vorgriff auf die internationale Raumstation befindet sich eine Basis im All, die in einer dramaturgisch sehr überzeugenden Szene in Gefahr gebracht wird. Wichtig ist, dass es zwar einen Wettlauf zum Mond gibt, die beiden Machtblöcke auf die Astronauten bzw. Kosmonauten reduziert es eher sportlich sehen und am Ende bedingungslose Kameradschaft wichtiger ist als die politischen Systeme. Diese Maxime zieht sich durch die ganze Serie. Meistens sind es politisch unabhängige Spionageringe, welche die Blöcke gegeneinander ausspielen wollen und mit Technologiediebstahl eine der beiden Seiten schwächen.

 Auf der Höhe der Zeit mit minutiösen Zeichnungen sowohl des Mondbuggys – alleine die kleinen Grashübscher sind Weinbergs eigene Erfindung – als auch der Landefähre oder der Sojuskapsel zeichnet der Technikfan ein authentisches, ein packendes Portrait einer Mondlandung, in deren Verlauf sich die Astronauten einer Reihe von Hindernissen stellen müssen. Die Hintergründe erreichen eine fast photographische Qualität mit den minutiösen Zeichnungen im Vordergrund. Das Tempo des Spannungsbogen ist unglaublich hoch und vor allem viele der kleinen Anekdoten beleben die vorliegende damals auf der Höhe der Zeit publizierte Fortsetzungsgeschichte. Nicht nur aufgrund der ausführlich recherchierten Handlung, sondern vor allem aufgrund der Dramatik auf der unwirtlichen, sauerstofflosen Oberfläche eines der besten Dan Cooper Album insgesamt, in diesem siebenten Sammelband mit Abstand die in Ehren am Besten gealterte Geschichte.  

 Ein weiterer umfangreicher Aspekt des Vorworts bezieht sich auf Dan Coopers Griechenlandurlaub in „Die Minos- Affäre“. Albert Weinberg hat seiner attraktiven Reiseführerin Vicky während seiner Griechenlandreise ein literarisches Denkmal gesetzt, in dem er sie in einer Reihe von Kurzcomics anfänglich vermisste Kinder, später ganze Kriminalfälle aufklären ließ. Eingeleitet von einem Foto der blonden Griechen erschienen insgesamt acht Kurzstorys, von denen ganzseitige Ausschnitte abgedruckt worden sind.

 Unabhängig von der attraktiven griechischen Reiseführerin folgen die drei weiteren Alben "Die Minos- Affäre", "Mission Jumbo" und "Crash in Sektor 135" dem aus vorherigen Alben bekannten Agentenmuster.  Auffällig ist, dass Dan Cooper hinsichtlich des Hin- und Herschiebens zwischen den Kontinenten immer ungeduldiger wird und am liebsten wie in der letzten Geschichte Zeit mit seiner blonden norwegischen Randi verbringen möchte.  

 Alle drei Geschichten verbindet Weinbergs Liebe zu Details. Während nicht zuletzt durch die Reiseführerin die wichtigsten Touristenplätze in Griechenland nicht nur besucht, sondern ihn ein wenig belehrenden Exkursen auch dem Leser erläutert wird, spielt "Mission Jumbo" in James Bond Manier in und um Seattle. Die letzte Geschichte wird aus dem kalten und unwirtlichen Norwegen erzählt. 

 In "Die Minos- Affäre" ist es eine Verwechselung mit einem auf dem Weg zum Flughafen verunglückten Agenten Cooper, die das kanadische Fliegeras in Schwierigkeiten bringt. Geheimne Informationen aus einem der in der Umlaufbahn befindlichen Satelliten sind von den falschen Händen gefunden worden. Gegen ein Lösegeld wären verbrecherische Mächte bereit, diese zurück zu geben. Auf der zweiten Handlungsebene hat die griechische Touristenführerin Ärger mit ihrer Familie. Ihr Verlobter gehört einem anderen Clan an und die Familien wollen mit Gewalt und auch im Rahmen dieser Affäre die Verbindung lösen.

 Ambitionierter und in James Bond Manier ist "Mission Jumbo" erzählt worden. Als Testpilot soll Dan Cooper die neue 747 testen. Anscheinend haben aber finstere Mächte die Absicht, die neuen Maschinen zu entführen und sie verschwinden zu lassen. Dem Vorgängermodell ist das passiert. Während Weinberg die griechische Episode zwar spannend und vor allem voller für den Leser auch nachvollziehbarer Action zu Wasser, an Land und teilweise in der luft erzählt, wirkt "Mission Jumbo" fast übertrieben. Da wird das Wahrzeichen von Seattle aus dem Hubschrauber aus beschossen,  um Dan Cooper mundtot zu machen. Eine kleine Maschine zerschießt die Triebwerke einer 747, die über der Stadt abzustürzen droht. Das Versteck der Entführer - in beiden Folgen werden jeweils attraktive Frauen von den allmächtig erscheinenden Organisationen entweder entführt oder als willige Boten mißbraucht - findet sich in einem exotischen Schiffswrack, während sie in "Die Minos Affäre" sich im Haus eines der exotischen Kaufhäuser verstecken. 

 "Crash in Sektor 135" beginnt in dieser Konstellation emotionaler. Randis Bruder ist mit seiner Maschine verschollen, als er sich auf einem Testflug befunden hat. Man findet angeblich seine Leiche.  Dan Cooper versucht diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen und wird schnell ebenfalls zum Ziel der Angreifer/ Spione. Es ist inhaltlich das stimmungsvolle Albujm dieser Trilogie. Dan Cooper will mit roten Rosen seine Freundin überraschen. Die herausfordernde Landschaft wird genauso dargestellt wie die Überreste untergegangener Schiffe auf dem Grund vor der norwegischen Küste. Die Actionszenen sind handgreiflicher und Albert Weinberg verzichtet positiv in mehrfacher Hinsicht zu Gunsten eines stringenten, aber auch realistischeren Plots auf einige ungewöhnliche Gewaltexzesse. „Mission Jumbo“ ragt hier negativ heraus. Die Aggression der Spione wirkt zu überzogen und es ist erstaunlich, dass die Ordnungskräfte mit Dan Cooper an der Spitze vor allem auch in Hinblick auf dessen Erfahrungen mit solchen Gruppen so spät erst reagieren.

Zu den Stärken gehört wie eingangs erwähnt die realistische Schilderung der Hintergründe. Aus heutiger Zeit wirken die zwischen 1970 und 1971 entstandenen Alben wie kleine Fenster in eine unschuldigere Vergangenheit. So zeigt Albert Weinberg allerdings das entspannende Leben in einem Griechenland, das sich noch sehr gut zwischen dem Erbe der Vergangenheit und der vor allem von Touristen dominierten Gegenwart entwickelt.

 Während in „Apollo ruft Sojus“ unabhängig von der realistischen Darstellung der Möglichkeiten der bemannten Raumfahrt sich eine futuristische Handlung entwickelt hat,  sind die drei anderen Geschichten sehr viel fester in der Gegenwart verwurzelt. Das Dan Cooper ein wenig gegen seine Vorgesetzten Aufbegehren kann, ist nicht unbedingt neu und wurde schon in einigen Storys vor dem Mondflug umgesetzt. Aber neben den kleinen Flirts mit Frauen in festen Händen in „Die Minos Affäre“ sowie „Mission Jumbo“ wirkt sein Verhältnis zur lange Zeit auf ihn wartenden Randi in „Crash in Sektor 135“ sehr viel befreiter. Dieser Dan Cooper der späten sechziger und frühen siebziger Jahre ist weit von dem steifen Eliteoffizier und treuem Sohn – sein Vater spielt als überdurchschnittlichen Erfinder und gleichzeitig globaler Pazifist keine Rolle – entfernt. Obwohl er immer noch athletisch und entschlossen sich auch manchmal hitzköpfig in jeden Zweikampf stürzt und sich von seinen Vorgesetzten dann allerdings auch offensichtlich widerwillig benutzen lässt, wirkt der Charakter gereifter und aufgrund der Erfahrungen auf allen Kontinenten auch abgerundeter.

 Der technische Hintergrund mit den verschiedenen Entwicklungen ist immer auf der Höhe der Zeit. Während er beim Mondflug nur wenige in die Zukunft gegriffen hat und quasi vier Wochen nach der Realität seinen Helden auf den Mond schickt, nutzte er das Debüt der Boeing 747 im Februar 1969 für eine reinrassige Agentengeschichte, wobei die abschließende Erläuterung für die Entführung der Maschinen und deren Nutzung als fliegende Festungen für kleinere Piratenflugzeuge zu utopisch erscheinen.

 Die Satellitenüberwachung und die Möglichkeit, auf diese Art und Weise die eigenen Verteidigungsmaßnahmen auszuschalten, ist vor allem nach den zahllosen Spionageaffären in den sechziger Jahren ein  wichtiges Thema in den siebziger Jahren gewesen. Vielleicht wirkt die Idee mit dem „Versenden“ des Aufnahmematerials selbst während der Zeit der Entstehung ein wenig antiquiert, aber es ist ein guter Aufhänger für eine der beiden in Griechenland spielenden Agentengeschichten. Jahre später sollte James Bond in „For your Eyes only“ diese Entwicklung mit einer befriedigenden Geschichte abschließen.

 Auch wenn nach dem herausragenden Mondabenteuer die drei folgenden Dan Cooper Album ein wenig stereotyp unabhängig von den verschiedenen Hintergründen erschienen, unterstreichen sie vor allem die fortlaufende Entwicklung dieses Charakters, die Albert Weinberg nicht selten im Hintergrund seiner Actionstorys kontinuierlich fortgeschrieben hat. Es wäre unfair,  vor allem „Die Minos- Affäre“ oder „Mission Jumbo“ als durchschnittliche Dan Cooper Geschichten zu bezeichnen. Sie wachsen einem im Laufe der gut ausbalanciert erzählten Handlung sehr schnell ans Herz.

 Abgeschlossen wird der insgesamt siebente „Dan Cooper“ Sammelband durch einige Zeichnungen, die Weinberg seinen Fans auf verschiedenen Cons geschenkt hat. Sie zeigen abschließend die romantische Seite des berühmtesten kanadischen Piloten.   

 

 


232 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
ISBN: 978-3-95839-348-6

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