Brothers Grimm

Originaltitel: 
The Brothers Grimm
Land: 
GB
Laufzeit: 
119 min
Regie: 
Terry Gilliam
Drehbuch: 
Ehren Kruger
Darsteller: 
Matt Damon, Heath Ledger, Jonathan Pryce, Monica Bellucci
Kinostart: 
06.10.05

Will und Jake Grimm sind ein charmantes Betrüger-Pärchen. 1796, nach der französischen Revolution und während der deutschen Besetzung durch napoleonische Truppen nutzen sie den Aberglauben in der Bevölkerung für ihren Lebensunterhalt: Sie befreien die Leute von eingebildeten Hexen, Trollen und ähnlichem Gelichter, die ein paar Gehilfen darstellen und bekommen dafür Geld.

General Delatombe ist das ein "Dorn im Zeh" - das rückständige Deutschland ist ihm von Herzen zuwider. Gegen diesen Zustand will er etwas unternehmen. Nicht dumm zwangsverpflichtet er dazu eben die Brüder Grimm - im Dorf Marbaden sind neun kleine Mädchen verschwunden. Das sollen die beiden aufklären, möglichst bald und möglichst sauber, damit auch keiner irgendetwas Übernatürliches hinter diesen Vorfällen vermuten kann. Haste gedacht! Wie es das Schicksal will, steckt hinter dem Ganzen ein buchstäblicher Märchenwald an Hexen, Wölfen, verzauberten Lebewesen und Magie.


Filmkritik:
von Susanne Picard (für SF-Radio.net)

Von zweien, die auszogen, das Fürchten zu lernen - so könnte der neue Film von Terry Gilliam auch heißen. Eigentlich waren die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm zwei Literaturgelehrte der Romantik, sie sammelten Märchen und Sagen und arbeiteten an verschiedenen Lexika mit. Wer allerdings bei diesem Film eine getreue Biographie erwartet, der wird enttäuscht werden. Regisseur Terry Gilliam tut etwas ganz anderes: er nimmt Versatzstücke aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm, stellt die Sammler dieser Märchen als Protagonisten der neuen Erzählung hin, mixt einmal kräftig durch und hat - einen neuen Film.

Es passiert, was man erwarten darf. Selten war wohl ein Film in letzter Zeit derartig voll von überbordenden Ideen, Magie, lebendigen Bäumen, Fabelwesen, schönen Königinnen und unschuldigen Jungfrauen, dass man kaum weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Heath Ledger und Matt Damon stolpern dabei naiv, aber beherzt wie das tapfere Schneiderlein durch die Szenerie und Set-Designer Guy Hendrix (“X-Men 2”) gibt sich alle Mühe, ihnen möglichst viele, originelle und märchenhafte Hindernisse in den Weg zu legen. Besonders den bodenständigen und praktischen Will Grimm scheint Aberglaube mächtig zu nerven, ist es doch seine Idee, die Menschen an ihrem Hexenglauben zu packen und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dagegen weiß sich der feinfühligere Jake (dessen Aberglauben fast so groß ist wie der der Bevölkerung, die beide immer wieder übers Ohr hauen) sehr schnell den seltsamen Bedingungen im Zauberwald rund um Marbaden anzupassen - hat er doch schon als Kind an die magische Wirkung von Zauberbohnen geglaubt, wie sein Bruder nicht müde wird, ihm vorzuwerfen. Auch Monica Bellucci weiß als schöne, aber böse Königin zu gefallen, ihre Figur ist eine Melange aus allen bösen Hexen, Königinnen und Stiefmüttern der Grimms Märchen. Interessant ist vor allem der Gegensatz zwischen dem schon halb im Biedermeier steckenden Ambiente, das bis dahin vorherrschte und Belluccis mittelalterlich angehauchten Kostüm und dem gotischen Turmzimmer. Zu Recht wirkt sie wie ein Relikt aus einer anderen, märchenhafteren Zeit als der zur französischen Besetzung.


Aber der Film hat auch einen Nachteil. Eine Story ist so gut wie überhaupt nicht vorhanden - was zwar dank des Ideenreichtums, so man sich auf ihn einlassen mag, nicht weiter auffällt, aber dennoch zieht diese Tatsache den Film in die Länge. Gemüter, die sich nicht sonderlich in Märchen auskennen oder nicht viel dafür übrig haben, könnten sich durchaus langweilen. Eigentlich ist das schade, denn Ansätze für tiefergehende Botschaften als "Märchen sind toll!" hätte das Thema allemal geliefert. Immerhin stehen sich mit dem feinsinnigen, aber skrupellosen französischen General die Gewitztheit und geistige Beweglichkeit der Romantik der rationalen, kühlen Aufklärung gegenüber. Da wäre auch noch die Möglichkeit gewesen, diese Versatzstücke am Ende zusammenzufassen, aber dies wird nur angedeutet.

So fliegen die Ideen und die Gedanken Gilliams nur einfach so durch den verzauberten Märchenwald und es fehlt ein bisschen an dem Witz und der Ironie, die man sonst bei dem Ex-Monthy Python findet. So ganz ohne Tiefgang sind die Tricks sehr nett und phantasievoll, aber der Film gleicht doch sehr Burtons “Sleepy Hollow” - und das ist ein Vergleich, den Terry Gilliam, der Schöpfer von “Brazil” und “12 Monkeys”, eigentlich nicht nötig haben sollte.

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