Resident Evil: The Final Chapter

Originaltitel: 
Resident Evil: The Final Chapter
Land: 
USA
Laufzeit: 
106 min
Regie: 
Paul W.S. Anderson
Drehbuch: 
Paul W.S. Anderson
Darsteller: 
Milla Jovovich, Iain Glen, Ali Larter, Ruby Rose, William Levy, Eoin Macken, Shawn Roberts, Fraser James
FSK: 
ab 16
Kinostart: 
26.01.2017

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Resident Evil: The Final Chapter Poster

Als einzige Überlebende des Krieges, der als letzter Widerstand der Menschheit gegen die Untoten geplant war, muss Alice (Milla Jovovich) in Resident Evil: The Final Chapter nun nach Raccoon City zurückkehren, wo der Alptraum einst begann. Dort versammelt die Umbrella Corporation ihre Truppen für einen finalen Schlag gegen die Überlebenden der Apokalypse.

Geschrieben und inszeniert von Paul. W. S. Anderson (Alien vs. Predator) bringt der Film außerdem ein Wiedersehen mit Ali Larter (Claire Redfield). In weiteren Rollen zu sehen sind Ruby Rose (Abigail), William Levy (Christian), Eoin Macken (Doc), Rola (Cobalt), Lee Joon-gi (Lee) und Iain Glen (Dr. Alexander Isaacs).


Kritik

von Johannes Hahn

Alice (Milla Jovovich) bekommt eine Botschaft der Red Queen, einer von der bösen und für die Zombieseuche verantwortlichen Umbrella Corporation entworfenen Künstlichen Intelligenz. Die Zombiejägerin soll innerhalb von 48 Stunden einen Anti-Virus freisetzen, sonst stirbt die Menschheit aus. Dazu muss sie in die unterirdische Umbrella-Zentrale in Raccoon City eindringen, die Fallen überleben und den Anti-Virus beschaffen. Dort unten warten allerdings auch die Bösewichte Wesker (Shawn Roberts) und Dr. Isaacs (Iain Glen) auf Alice.

Zur Erinnerung: Resident Evil basiert auf einer japanischen Videospielserie gleichen Namens. Die Spiele begannen im Survival-Horror-Genre (manche sagen gar: begründeten es), wurden zuletzt sehr action-lastig, um wahrscheinlich mit dem kommenden siebten Teil wieder mehr zu den Horror-Wurzeln zurückzukehren. Fast wünscht man sich, der Filmreihe wäre es genauso gegangen, denn das hieße, sie wäre auf dem Weg der Besserung. Aber zumindest eins muss man ihr lassen: Sie zieht kompromisslos ihr Ding durch.

Keine Kompromisse mit Milla

Ihr Ding ist in diesem Fall: Action, Schockmomente, Milla Jovovich und mehr eigentlich nicht. Mit den Spielen gibt es außer ein paar Namen nur eine Sache gemein: Eine für Uneingeweihte kaum zu verstehende Hintergrundgeschichte. Die aber suggeriert mehr Substanz, als schließlich da ist.

Als Fan könnte man vielleicht über so manche Schnitzer im sechsten Teil der Resident-Evil-Filmreihe hinwegsehen – vor allem, weil diese Schnitzer ja auch in allen anderen Filmen präsent waren. Aber dennoch bleibt nach diesem Wiederaufguss altbekannter Klischees, Themen und Action-Szenen ein etwas fader Nachgeschmack. Der Film nimmt sich selbst zu ernst und vernachlässigt daher völlig sein Publikum. Anscheinend soll allein durch bunte Bilder unterhalten werden, anstatt durch gut inszenierte Kämpfe oder - Achtung, ernst gemeint! - eine halbwegs nachvollziehbare Story mit im Ansatz glaubwürdigen Charakteren.

Aber Resident Evil: The Final Chapter bietet nichts davon. Alice bleibt eine oberflächliche Kampfbraut, die alle Herausforderungen meistert und jeden Plan durchschaut. Claire Redfield ist der einzige nennenswerte Nebencharakter und eine unerschütterliche Gefährtin für Alice, alle anderen sind nur Staffage oder eben die beiden Bösewichte Wesker und Isaacs. Wo sich allerdings Wesker in erster Linie darauf beschränkt, böse auszusehen, ohne böse zu sein, profitiert Dr. Isaacs wenigstens noch vom Talent von Iain Glen. Der kann Isaacs trotz fehlender Charaktermotivation zumindest ein bisschen Charisma verleihen. Das liegt aber auch daran, dass seine Figur ein paar Auftritte mehr als die anderen Nebencharaktere hat.

Gegen alle Handwerkskunst der Inszenierung

Denn die tauchen unvermittelt auf („Einführung" kann man das leider nicht nennen) und werden dann ganz schnell wieder abgemurkst. Warum sie eine Rolle spielen oder Heldin Alice (und damit auch das Publikum) von ihrem Tod betroffen sein soll, das weiß nur Regisseur und Autor Paul W. S. Anderson. Es ist alles so unheimlich klischeebeladen und durchsichtig wie Fensterglas, dass es einem beim Zuschauen weh tut.

Die „Handlung" ist dermaßen dünn und mit brachialer Expositionsgewalt erzählt, dass man sich fragt, ob die Regie jemals vom Grundsatz „Show, don't tell" gehört hat. Alles wird deutlich ausgesprochen, damit es bloß nicht am scheinbar zombiefizierten Publikum vorbeigeht. Dann allerdings hält sich der Film bisweilen nicht an seine eigenen Regeln, nur, um eine kleine Wendung, die niemanden vom Hocker reißt und die kilometerweit vorauszuahnen war, zu ermöglichen.

Wenn wenigstens die Action stimmen würde. Aber die ist kaum zu erkennen, denn die durchaus gut und gekonnt choreographierten Kämpfe gehen in einer Kaskade von unterbeleuchteten, hektisch geschnittenen Bildern unter. Es gibt ein, zwei nette Schauwerte, aber auf Dauer nutzt sich der ständige Krawall ab – zumal der Ausgang durch Alices Quasi-Superheldinnenfähigkeiten und dem Fehlen jeglicher emotionaler Nähe zu irgendeiner Figur relativ belanglos ist.

Bitte nicht falsch verstehen: Fans bekommen bei Resident Evil: The Final Chapter genau das, was sie zuvor auch bekommen haben: Milla Jovovich, die ein bisschen Gymnastik macht, Visagen mit Fäusten massiert und Zombies wegballert. Aber mehr nicht. Das alles ist jedoch so schlampig inszeniert, so dahingerotzt geschrieben, dass es einfach nicht unterhalten kann. Aber selbst ein Action-B-Film kann ansprechend inszeniert werden, siehe Hardcore oder ganz aktuell xXx: Die Rückkehr des Xander Cage. Bei Resident Evil: The Final Chapter aber hat man das Gefühl, es hätte sich einfach niemand mehr richtig Mühe gegeben.

Fazit

Resident Evil: The Final Chapter macht Leuten Spaß, welche die Vorgänger ertragen konnten. Wer unbedingt einen Abschluss der Reihe braucht, bekommt ihn – allerdings einen ziemlich unbefriedigenden.

RESIDENT EVIL: THE FINAL CHAPTER - offizieller Trailer 2 (deutsch)

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