50 Jahre Raumpatrouille Orion - Wissenswertes & Hintergründe zum Märchen von Übermorgen

Vor 50 Jahren, am 17. September 1966, strahlte die ARD erstmals Raumpatrouille Orion, bzw. Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion aus. Die sieben Episoden wurden im Zwei-Wochen-Takt jeweils Samstagabend ausgestrahlt und sorgte für leer gefegte Straßen, weil die halbe Nation gebannt vor den Fernsehgeräten sass, um die Abenteuer von Major Cliff Allister McLane und seiner Crew zu verfolgen.

Bei den Einschaltquoten erreichte die Serie Marktanteile von bis zu 56 Prozent - gigantische Zahlen, in einer Zeit, in der es aufgrund von nur zwei Fernsehsendern noch gar kein Quotenrennen gab.

Fast zehn Jahre später erreichte Orion 1975 in der Primetime immer noch Marktanteile von bis zu 38 Prozent.

Nur sieben Episoden

Raumpatrouille Orion ist heutzutage Kult, ein Meilenstein der deutschen Fernsehgeschichte und wartete für die damalige Zeit mit spektakulären Spezialeffekten auf. Auch wenn die Serie ein riesiger Quoten- und Publikumserfolg war, so wurden keine weiteren Staffeln produziert.

Damals hatte Orion aufgrund der stark militärischen Strukturen nicht nur ein Imageproblem (zu faschistisch), auch der Produktionsaufwand war derart hoch, dass die Bavaria-Studios sich nicht nur finanziell, sondern auch personell übernahmen: Die Gesamtkosten aller sieben Episoden beliefen sich auf 3,4 Millionen D-Mark, quasi das deutsche Game of Thrones der 60er.

Auch ließ sich die Serie international schlecht vermarkten, da sie nicht in Farbe gedreht wurde. Der Start in den USA ist daran gescheitert. In vielen anderen Ländern wurde bereits das Farbfernsehen eingeführt, in Deutschland kam die Umstellung erst im August 1967.

Die Raumpatrouille lief jedoch in Frankreich, Österreich, Schweiz, Italien, Belgien, Holland, Schweden, Jugoslawien, Ungarn und besonders erfolgreich in Südafrika.

Ein weiteres Hindernis wird in einem Mangel an guten Drehbüchern begründet.

Ein Blick in die Trickkiste der 60iger

20 Prozent der Episoden bestehen aus Tricks, mit deren Ausarbeitung 30 Leute beschäftigt waren. Der Aufbau der futuristischen Kulissen dauerte mehr als 100.000 Arbeitsstunden, allein für die Konstruktion des Casino-Sets wurden acht Tagen benötigt, an denen vier Arbeiter beschäftigt waren.

Der Planet Gordon, der von McLane zerstört wird, bestand in Wirklichkeit aus Reis, Bohnen und Kaffee. Sie wurde mit Druckluft auseinandergepustet und in Zeitlupe mit 120 Aufnahmen pro Sekunge gefilmt.

Der Lichtsturm wurde hervorgerufen durch geworfene Reiskörner, im Highspeed-Verfahren aufgenommen und mit normaler Filmgeschwindigkeit wiedergegeben. Bei der Unterwasserbasis, von der die Orion startet, handelt es sich um den Königsplatz in München. Die Bebauung wurde abgedeckt und wo vorher Himmel zu sehen war, wurde die Orion hineinkopiert.

Die Unterwasseraufnahmen für den Start der Orion wurden in einem Labor für Strömungsversuche der Technischen Hochschule gedreht. Die Aufnahmen gehören mit Sicherheit auch zu den Aufwändigsten, die man sich vorstellen kann, da allein 13 Kameraeinstellungen miteinander kombiniert werden mussten. Der Effekt der aufsteigenden Orion unter Wasser wurde mit Hilfe einer Alka-Selzer-Tablette ein einem Aquarium erzeugt. Damit die Blasen auch in die richtige Richtung verliefen, also von oben nach unten, wurde das Ganze mit einer auf dem Kopf stehenden Kamera gefilmt.

Trickszenen wie z.B. der Einstiegsschacht der Orion, die Supernova in "Planet außer Kurs" sowie verschiedene Raumstationen wurden in Farbe gedreht, auch wenn es in Deutschland zu dem Zeitpunkt noch kein Farbfernsehen gab. Die Angaben über Gründe variieren zwischen "im Hinblick auf eine eventuelle Fortsetzung der Serie" und "um den Tricktechnikern die Arbeit z.B. mit Blue Screen zu erleichtern".

Das legendäre Bügeleisen

Auch bei der technischen Ausstattung der Zukunft griff man hier und da auf Utensilien aus Küche und Bad zurück. Legendär wurde das Bügeleisen (damals noch ohne Dampf), das zu den Bedienelementen - wofür auch immer - des Maschinenraums gehörte.

Eine weitere Requisite, die den Gebrauchsgegenständen des Alltags entlehnt wurde, sind die Plastik-Trinkbecher, die zur Deckenbeleuchtung der Orion umfunktioniert wurden.

Rolf Zehetbauer, der gekonnt die "Alltagsgerätschaften" wie Bügeleisen, Sanitärarmaturen oder Plastikbecher in die Ausstattung der Orion einbaute, bekam später einen Oscar für seine Arbeit in Cabaret (1971). Er war auch maßgeblich an Bavaria-Erfolgen wie Das Boot und Die unendliche Geschichte sowie an Wolfgang Petersens Hollywood-Debütfilm Enemy Mine beteiligt.

Produktion

Die Postproduktion dauerte wegen der umfangreichen Trickszenen fast ein Jahr. Produziert wurde die Serie fand in den Bavaria-Filmstudios in München. Mit mehr als 2000 Quadratmeter war die Halle 4/5 prädestiniert für Aufnahmen der großen Raumschiffsets und der Raumstationen, während in der 850 Quadratmeter fassenden Halle die kleineren Kulissen wie z.B. McLanes Bungalow und das Starlight-Casino ihre Heimat fanden.

Rolf Honold, der das Gesamtkonzept entwarf, blieb zu seinem eigenen Bedauern bei relativ bodenständigen Themen, weil er das Sci-Fi-unerfahrene deutsche TV-Publikum nicht überfordern wollte. Er verzichtete deshalb auf paranormale Themen wie Telekinse oder Teleportation. Die stattdessen verwendeten "klassischen" SF-Themen wurden von dem Atomphysiker Dr. Ernst Jung auf wissenschaftliche Stichhaltigkeit geprüft.

Von den 80 Tagen, die die Dreharbeiten in Anspruch nahmen, wurden nur drei Tage für Außenaufnahmen verwendet. Ursprünglich war geplant, in einer entsprechend öden Landschaft Islands zu drehen, doch letztlich wurde eine deutlich preiswertere Variante in einer Schutthalde in Peissenberg bei München gefunden, die diese Anforderungen, sehr zum Bedauern der Schauspieler, ebenfalls erfüllte. Für den Regierungssitz auf Chroma wählte man das Schloss Tutzing am Starnberger See.

Das Starlight Casino sollte ursprünglich den deutschen Namen "Polarlichter" bekommen. Die englischsprachige Bezeichnung kommt aber wesentlich eleganter daher. Die im Hintergrund durch die Scheiben sichtbaren Fische wurden im Aquarium des Berliner Zoos aufgenommen.

Die außerirdischen Frogs sollten ursprünglich gallertartige Figuren sein, doch schließlich benutzte man fotomechanische Tricks, mit denen die Umrisse von Statisten mit den fluoriszierenden Effekten versehen wurden.

Das französische Staatsfernsehen unterstützte die deutschen Sender WDR, NDR, SDR und SWF mit 20 % der Kosten. Dafür wurde eine Parallelversion in französischer Sprache gedreht, in der einige französische Schauspieler Nebenrollen bekamen.

Kinofilm

Im Jahr 2003 wurden alle Episoden zu einem 90-minütigen Kinofilm mit dem Titel Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino zusammengeschnitten. Er besteht aus einzelnen Episoden-Szenen, vorzugsweise solchen, in denen die Frogs eine Rolle spielen. Um Übergänge zu schaffen, wurden die Szenen durch neugedrehte Schwarz-Weiß-Aufnahmen miteinander verbunden, in denen Elke Heidenreich die Nachrichtensprecherin Helma Krap verkörpert, die dem Publikum die Neuigkeiten über die Einsätze der Orion verkündet.

TV-Tipp: Zum Geburtstag ist Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino heute abend, am 19. September um 20.15 bei Tele 5 im Fernsehen zu sehen.

Raumpatrouille Orion

Originaltitel: Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion (1966)
Erstaustrahlung am 17. September 1966 auf ARD
Darsteller: Dietmar Schönherr (Major Cliff McLane), Eva Pflug (Leutnant Tamara Jagellovsk), Claus Holm (Leutnant Hasso Sigbjörnson), Wolfgang Völz (Leutnant Mario de Monti), F. G. Beckhaus (Leutnant Atan Shubashi), Ursula Lillig (Leutnant Helga Legrelle), Benno Sterzenbach (General Wamsler), Friedrich Joloff (Oberst Villa)
Produzenten: Hans Gottschalk, Helmut Krapp, Oliver Storz
Idee: Rolf Honold
Musik: Peter Thomas
Staffeln: 1
Anzahl der Episoden: 7


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