Kritik zu Nioh: Eine blutige Reise durch Japan

Nioh Logo L

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Mit der Dark-Souls-Reihe sind Hardcore-Videospiele seit einigen Jahren wieder im Mainstream angekommen. Das Erfolgskonzept des japanischen Entwicklers From Software wurde bisher aber erstaunlicherweise wenig kopiert. Ein deutsches Entwicklerstudio versuchte sich mit Lords of the Fallen daran, scheiterte aber schon an der genauen Nachahmung.

Nun gibt es einen weiteren Vorstoß: Das japanische Team Ninja, bekannt durch Ninja Gaiden und Dead or Alive, hat Nioh auf den Markt gebracht. Der Vergleich mit Dark Souls ist gewollt, der Playstation-Titel wird als Hardcore-RPG im feudalen Japan verkauft. Verheimlichen muss Nioh seine Herkunft nicht, denn das Actionspiel hat genug Alleinstellungsmerkmale und ist weit davon entfernt, ein reiner Klon zu sein.

Wo die From-Software-Spiele noch methodisches, bedachtes Vorgehen verlangten, um riesige Monster zu erlegen, belohnt Nioh ein aggressives Vorpreschen. Auch die Erzählung ist grundlegend anders: Die Handlung wird in Zwischensequenzen weitergesponnen, während der Spieler die Welt durch verschiedene Aufträge über eine Karte erkundet.

Ohne Marketing und schnelle Vergleiche sieht man Nioh nach den ersten Spielstunden an, dass es viel mehr ist, als beworben. Mit der Mischung aus Geschwindigkeit und Aggressivität kombiniert Team Ninja die Erfahrung aus Ninja Gaiden mit dem Grundprinzip eines Bloodborne und bringt damit das Genre ein Stück voran.

Nioh Fight
© Koei Tecmo

Ein weißer Samurai gegen Mythen und Legenden

In Nioh schlüpft der Spieler in die Rolle des Iren William Adams, den es im 16. Jahrhundert nach Japan verschlagen hat. Die Clans des Landes befinden sich im Krieg, und weil das Spiel Fantasyelemente enthält, geht es dabei historisch nicht ganz korrekt zu.

Der britische Alchemist Edward Kelley hat mit Hilfe dunkler Kräfte Dämonen und Monster aus japanischen Mythen und Legenden wiedererweckt. So muss der westliche Samurai gegen Zyklopen, Schneefrauen und andere rachsüchtige Geister kämpfen. Unterstützt wird er dabei von realen Figuren wie Tokugawa Ieyasu und Hattori Hanzo.

Die Geschichte um William ist sehr oberflächlich und kommt ohne großartige Wendungen oder Überraschungen aus. Spannender zu verfolgen sind die Geschehnisse um ihn herum, in die eine Vielzahl von realen Konflikten eingebunden wurde.

Damit auch alle, die nicht gerade eine Dissertation über die Sengoku-Zeit geschrieben haben, mitkommen, sind in den Menüs und Auftragsbeschreibungen alle wichtigen Informationen zusammengefasst.

Die Zwischensequenzen sind hervorragend inszeniert, und damit die Immersion nicht verloren geht, wurden alle Stimmen mit Sprechern aus ihren fiktionalen Herkunftsländern besetzt. William bleibt dabei meistens der einsame Beherrscher der englischen Sprache, und die seltenen Momente, in denen Japaner sich daran versuchen, wirken durch starke Akzente unfreiwillig komisch.

Nioh Demon
© Koei Tecmo

Die Japankarte und das Kampfsystem

Der Spieler kann, anders als in Dark Souls, das Spieltempo selbst bestimmen. Von einer digitalen Karte des Landes der aufgehenden Sonne können die Handlung vorangetrieben oder Abstecher in Nebenmissionen unternommen werden. Das ergibt zwar keine zusammenhängende Welt, die auch nicht ganz so abwechslungsreich gestaltet ist, dennoch tut es der feudalen Atmosphäre gut.

Kämpfen kann der Spieler stilecht als Samurai mit Katana, als Ninja oder auch als Berserker mit mannsgroßer Axt. Die digitale Waffenkammer füllt sich rasch mit mehr Ausrüstung, als der Spieler je beherrschen kann. Das Ganze kombiniert mit der klassischen Stamina-Leiste, hier die Ki-Leiste, ergibt ein sehr befriedigendes Kampfsystem, das aber nur so gut ist wie die Reaktionszeit und Geduld des Spielers vor der Konsole.

Ganz eigene Aspekte in den Kämpfen sind Haltungen und Wächtergeister. Jede Waffe kann auf vier verschiedene Arten gehalten werden, was je nach Situation Vor- und Nachteile mit sich bringt. So kann der Spieler sich entscheiden, wie er kämpfen möchte, wenn er zum Beispiel aus einem Hinterhalt entkommen möchte.

Wächtergeister sind in der Welt von Nioh spektrale Tierwesen, die menschliche Fähigkeiten verbessern können. Aber nicht nur William macht von ihnen Gebrauch, weshalb manch Samurai mit einem Geist an seiner Seite weitaus schwerer zu besiegen ist als ein riesiger Oger.

Fazit

Nioh zeigt auf beeindruckende Art, dass die starke Inspiration durch ein anderes Spiel auch einen eigenen Charakter prägen kann. So hat Team Ninja keinen bloßen Klon entwickelt, sondern frischen Wind in ein bisher relativ unangetastetes Genre gebracht.

Nioh ist exklusiv für die Playstation 4 erhältlich.

Nioh | Defy Death - Launch Trailer | PS4

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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