Kritik zu Iron Fist: Der letzte Defender betritt die Bühne

iron_fist_netflix.jpg

Schriftlogo der Marvel-Serie Iron Fist auf Netflix

Das Line-up der Defenders ist komplett. Die Marvel-Heldengruppe, von denen bei Netflix bereits Daredevil, Jessica Jones und Luke Cage vorgestellt wurden, soll im Sommer ihr erstes gemeinsames Abenteuer erleben. Bevor es dazu kommt, feiert aber nun erst einmal Iron First sein Debüt. Wir haben die ersten sechs Folgen gesehen.

Die Serie erzählt die Geschichte von Danny Rand (Finn Jones), der als Kind mit seinen Eltern Opfer eines Flugzeugabsturzes im Himalaya wird. Von der ganzen Welt für tot gehalten, taucht Rand 15 Jahre später wieder in New York auf. Dort möchte er in das Unternehmen seines verstorbenen Vaters einsteigen, das mittlerweile von seinen einstigen Kindheitsfreunden Ward (Tom Pelphrey) und Joy Meachum (Jessica Stroup) geleitet wird.

Diese lassen sich jedoch nur schwer von Dannys Identität überzeugen. Vor allem Ward reagiert alles andere als positiv, da er im Geheimen ganz eigene Ziele verfolgt. Danny erkennt schon bald, dass sich das Erbe seines Vaters in sehr gefährlichen Händen befindet. Zum Glück ist er jedoch kein kleiner Junge mehr. In den vergangenen 15 Jahren hat sich Danny zu einem Meister des Kung-Fu entwickelt und verfügt zudem über die mysteriöse Kraft der Iron Fist.

Schwächster Beginn einer Defenders-Serie

Mit Daredevil und Jessica Jones setzten Marvel und Netflix die Messlatte für Serien basierend auf Comicfiguren sehr hoch. Beide Formate konnten auf Anhieb überzeugen und machten Lust auf mehr. Luke Cage, die dritte der vier geplanten Solo-Serien auf den Weg zum Team-Event The Defenders, sorgte dann für eine erste Delle in Marvel-Netflix-Welt. Nach überschaubarem Start gab es zwar Hoffnungen auf eine Steigerung, doch statt sich zu steigern, fällt Luke Cage in der zweiten Hälfte auseinander und unterbietet den Staffelstart noch einmal deutlich. Mit Iron Fist lag es nun an Marvel zu beweisen, dass es sich bei Luke Cage um einen einmaligen Ausrutscher handelt. Leider hält sich der Erfolg der Macher rund um Showrunner Scott Buck am Ende doch stark in Grenzen.

Die Serie hat zunächst einmal das Problem, dass die Geschichte sehr langsam und träge beginnt. Das Konzept des Rückkehrers mag nicht unbedingt neu sein, kann aber durchaus spannend erzählt werden. In Iron Fist ist dies aber nicht der Fall. Die ersten beiden Folgen verbringt Danny Rand vor allem damit, andere Menschen von seiner wahren Identität zu überzeugen. Die Tatsache, dass ihm niemand glauben möchte, ist dabei nicht nur frustrierend für den Charakter, sondern auch für die Zuschauer. Besonders in Folge 2 erreicht der Frustfaktor für die Figur und die Zuschauer ihren Höhepunkt.


Hier merkt man den Marvel-Serien auf Netflix zunehmend ein generelles Problem an. Die Tatsache, dass es in jeder Staffel einen 13-Stunden-Film zu erzählen gilt, war zum Start von Daredevil eine der großen Stärken der Formate des Streaming-Anbieters. Spätestens seit Luke Cage hatte man aber das Gefühl, dass die Autoren Mühe haben, den Spannungsbogen über eine so lange Zeit zu halten. Schon bei Jessica Jones gab es im Mittelteil etwas Leerlauf, und auch bei Iron First bekommt man anfangs das Gefühl, dass hier etwas auf Zeit gespielt wird, um die 13 Stunden zu füllen.

Es fehlt eine Seele

Ab der dritten Folge nimmt die Geschichte dann etwas an Tempo auf, kann aber trotzdem nicht wirklich fesseln. Eines der Probleme ist der Gegenspieler. Mit Wilson Fisk, Killgrave und selbst Cottenmouth hatten die bisherigen Marvel-Serien auf Netflix charismatische Figuren, die mindestens so interessant wie die Helden waren. In Iron Fist nimmt zunächst einmal die Meachum-Familie diese Rolle ein. Leider will weder bei Harold (David Wenham) noch bei Ward der Funke so richtig überspringen. Am Ende sind die beiden der klassische Geschäftsmann-Typ ohne Skrupel, wie man ihn so häufig schon gesehen hat. Ward bekommt dabei zumindest noch ein paar Facetten, die den Charakter etwas interessanter machen. Zu einem Wilson Fisk oder einem Killgrave fehlen allerdings Welten.

Darüber hinaus ist das Setting selbst auch nicht so einnehmend, wie beispielsweise bei Daredevil. Eigentlich sollte es bei den Marvel-Charakteren der Netflix-Serien um Straßenhelden handeln. In Iron Fist bekommt der Zuschauer aber vor allem eine sterile Geschäftswelt präsentiert. Harlem in Luke Cage und besonders Hells Kitchen in Daredevil gaben ihren Serien einen ganz eigenen Charakter und auch so etwas wie eine Seele. In Danny Rands Welt fehlt dieser Faktor, was auch zur Austauschbarkeit der Serie beiträgt.

Ähnlich blass wie die Schurken bleibt auch die Action. Die Tatsache, dass man mit Danny einen Charakter hat, der seit seiner Kindheit Kung-Fu trainiert, würde eigentlich die Grundlage für tolle Kampfszenen bieten. In der Umsetzung wirken die Kämpfe aber häufig sehr unspektakulär und mitunter etwas träge. Dazu kommt ein teilweise sehr hektischer Schnitt, der die Vermutung nahe legt, dass man mit diesem die Fähigkeiten von Darsteller Finn Jones etwas kaschieren wollte.

Jones ist generell ein zweischneidiges Schwert. Seine darstellerische Leistung ist immer dann am besten, wenn er den staunenden und mitunter naiven Rückkehrer spielt. Den Kampfkunstmeister, der zudem von seinen Erinnerungen und Erfahrungen geplagt wird, nimmt man ihm dagegen in vielen Szenen nicht so ganz ab. Bessere Arbeit macht dagegen Jessica Henwick als Colleen Wing. Auch wenn sich bestimmte Erzählelemente bei ihr zu Beginn mehrfach wiederholen, gehören ihre Szenen mit zu den besseren der ersten Staffelhälfte. Dies gilt auch für die Kampfszenen, die deutlich stärker inszeniert wurden als die von Finn Jones.

Fazit

Iron Fist ordnet sich nach sechs Folgen qualitativ zwischen der ersten und der zweite Staffelhälfte von Luke Cage ein. Die Serie ist kein totales Fiasko, bleibt aber über weite Strecken sehr blass und spannungsarm. Vor allem weil Marvel bereits mit Daredevil und Jessica Jones bewiesen hat, wie viel besser sie es können, ist die Serie eine Enttäuschung.

Marvel's Iron Fist | Offizieller Trailer | Netflix [HD]

Schriftlogo der Marvel-Serie Iron Fist auf Netflix

Originaltitel: Marvel's Iron Fist (2017)
Erstaustrahlung am 17.03.2017 bei Netflix
Darsteller: Finn Jones (Danny Rand/Iron Fist), Jessica Henwick (Colleen Wing), David Wenham (Harold Meachum), Jessica Stroup (Joy Meachum), Tom Pelphrey (Ward Meachum)
Gastauftritte: Carrie-Anne Moss (Jeri Hogarth, Jessica Jones)
Produzenten: Jeph Loeb, Scott Buck
Basiert auf dem gleichnamigen Marvel-Comic von Roy Thomas & Gil Kane
Staffeln: 1
Anzahl der Episoden: 13


Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.