Zoo

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Zoo Serie

Originaltitel: Zoo (seit 2015)
Erstaustrahlung am
30.05.2015 bei CBS
basiert auf dem Roman von James Patterson
Darsteller:
James Wolk (Jackson Oz), Kristen Connolly (Jamie Campbell), Nonso Anozie (Abraham Kenyatta), Nora Arnezeder (Chloe Tousignant), Billy Burke (Dr. Mitch Morgan)
Produzenten: Jeff Pinkner, Josh Appelbaum, André Nemec, Scott Rosenberg
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 26+

Kritik zur Pilotfolge

von Katrin Hemmerling. Was ist, wenn die Tiere sich gegen den Menschen wehren? Und zwar nicht so, wie man es im Laufe der Zeitgeschichte schon erlebt hat. Es gibt genügend Beispiele, gerade aus dem 19. Jahrhundert, die zeigen, dass gerade Zirkus- und Menagerietiere sich irgendwann verzweifelt zur Wehr setzen, wenn sie schlecht behandelt werden. Was aber nun, wenn die Tiere nicht in Wut und Raserei zurückschlagen - sondern wohlüberlegt?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die Serie Zoo. Die Hauptfiguren sind der Zoologe Jackson Oz (James Wolk), sein bester Freund Abraham Kenyatta (Nonso Anozie), die junge Journalistin Jamie Campbell (Kristen Connolly), der Tier-Pathologe Mitch Morgan (Billy Burke) und Chloé Tousignant (Nora Arnezeder), die für einen Geheimdienst arbeitet.

Jackson und Abraham leben in Botswana, wo sie sich unter anderem ihr Geld mit Foto-Safaris verdienen. Als Abraham ungewöhnlich lange nichts von einem Freund gehört hat, machen sie sich auf zu dessen Reservat, nur um dieses verwüstet vorzufinden. Als sie sich auf die weitere Suche begeben, entdecken sie den Bus des Reservats in der Wildnis. Anscheinend wurden die Touristen von Tieren angegriffen.

In Los Angeles untersucht die Journalistin Jamie unterdessen den Zusammenhang zwischen den Ausbruchs zweier Löwen aus dem städtischen Zoo und dem Einsatz von Herbiziden bei einem großen Biotech- und Tierfutterkonzern. Hierbei nimmt sie die Hilfe von Mitch Morgan in Anspruch. 

Was auf dem ersten Blick als gar kein ganz so schlechter Zutatenmix für einen intelligenten Thriller erscheint, entpuppt sich in den ersten beiden Folgen als zähe Kost, die sehr klischeebehaftet ist. Natürlich benötigt jeder Serienstart eine gewisse Zeit, um die Charaktere vorzustellen und die verschiedenen Handlungsstränge einzuführen. Bei Zoo macht es jedoch den Eindruck, als hätten hierzu zwei Folgen nicht ausgereicht. 

Wir lernen Jackson als den typischen einsamen Jungen mit schwieriger Familienkonstellation kennen, der dennoch selbstverständlich zu gut für diese Welt ist. Jacksons Vater hat über seine Meinung, dass die Tiere sich verbünden und zurückschlagen werden, schier den Verstand verloren. So scheint es. Stichwort: linke Pupille. 
Jacksons Mutter hingegen ist die rationale Wissenschaftlerin und arbeitet als Ärztin in einem Buschkrankenhaus in Botswana. Für sie ist das Thema "Erzeuger des Sohnes" ein rotes Tuch. Das alles hindert Jackson aber nicht daran, ein hilfsbereiter und vor allem cleverer Kerl zu sein, der flott die Puzzleteilchen zusammenfügen kann und wohl auch wird.

Jacksons bester Freund Abraham bleibt in den ersten beiden Folgen etwas blass, jedoch gibt ihm der Handlungsstrang für seine Figur nicht wirklich viel Platz zur Entfaltung. Hier bleibt abzusehen, wie sich sein Charakter in den nächsten Folgen noch entwickeln wird.

Jamie hingegen ist der Protoyp der wissensdurstigen, hartnäckigen, jungen Journalistin. Selbstverständlich wittert sie den Skandal und die große Story, die sich hinter dem Einsatz von Herbiziden bei dem Konzern verbrigt. Hierzu wurde ihr für die Serie alles an die Hand gegeben, was sie benötigt: Ein Laptop (der selbstredend unter Beschuss steht), das typische schwarze Notizbuch und eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Wenn sie dann noch stets einen Pappbecher mit einer grünen Meerjungfrau in der Hand hielte, wäre das Klischee perfekt. Allerdings würden Einmalbecher wahrscheinlich nicht in Jamies Weltbild passen.

Die Rolle des verschrobenen Einzelgängers ist Mitch Morgan zugefallen. Er mag Tiere mehr als Menschen. Er mag aber auch Pizza mehr als Menschen. Aber irgendwie scheint er auch von Jamie fasziniert zu sein; immerhin toleriert er ihre Gegenwart. Natürlich nicht ohne ironische Kommentare und betont schroffes Verhalten.

Lediglich Chloés Charakter zieht berechtigt die Aufmerksamkeit auf sich. Nimmt der Zuschauer sie erst als Touristin wahr, wird im weiteren Verlauf der ersten beiden Folgen klar, dass sie durch ihre Position wohl die zweite Schlüsselfigur werden kann.

Was bleibt dann eigentlich für die Handlung nach der Vorstellung der eigentlich doch typischen Figuren übrig? Leider nicht viel und leider verzettelt sich die Handlung auch durch das stete Hin- und Herspringen zwischen den verschiedenen Schauplätzen, die die Geschichte rund um die Welt führt. Wir bekommen Tierangriffe zu sehen beziehungsweise nicht zu sehen. Dem aufmerksamen Zuschauer fällt auch umgehend auf, dass sich diese Angriffe von "normalen" Angriffen unterscheiden. Dazu muss man nicht wirklich Spezialist auf dem Gebiet sein. Aber leider schafft Zoo es nicht, in der Handlung ordentlich Fahrt aufzunehmen. Die Serie versucht es mit Cliffhangern, die jedoch nicht wirklich greifen. Denn dazu birgt sie zu viele unfreiwillig komische Momente, die wohl ursprünglich für den Thrill-Faktor sorgen sollten. Sie sind so unglücklich in Szene gesetzt, dass sie eher Lachen als wohlige Anspannung hervorrufen. Auch den Darstellern fehlt die rechte Spielfreude. Sie liefern zwar eine solide Leistung ab, lassen aber die Leidenschaft für ihre Charaktere vermissen. 

Es ist schade, dass die Thematik, die Zoo zugrunde liegt, nicht fundierter aufbereitet wurde. Denn hierbei handelt es sich um ein hochaktuelles Thema, das in den letzten Jahren in den Medien heiß diskutiert worden ist. Zoo hingegen verliert sich leider in Klischees und Stereotypen und hat wenig Potential, den Zuschauer dazu zu animieren, ungeduldig auf die nächste Folge warten zu können. Wer die Serie von Anfang an nicht ernst nimmt, wird bestimmt seinen Spaß haben. Wer jedoch eine Thriller-Serie sucht, sollte nicht auf Zoo zurückgreifen.