Kritik zu Lucifer 2.05 - Weaponizer

SPOILER

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Lucifer Still Weaponizer

Bereits in der Vorschau für "Weaponizer" war klar, dass wir in dieser Woche ein weiteres Mitglied von Lucifers Familie begrüßen dürfen. Uriel (Michael Imperioli) ist auf die Erde gekommen, um die Dinge wieder gerade zu biegen.

Jeder Engel hat verschiedene Eigenschaften, wie man es im Verlaufe von Lucifer kennengelernt hat. Uriel bedient sich des Schmetterlingseffekts, und bereits zu Beginn erfährt der Zuschauer, welche Verkettung der Umstände zu Chloes (Lauren German) Unfall geführt haben. Die Rolling Stones mit "Time is on my side" unterlegen hier passend, dass alles zu seiner rechten Zeit geschieht. Ein kleiner Vorblick auf das, was zum Ende der Episode noch wichtig wird.

"It's your chance to escape from reality for a moment."

Nach der etwas enttäuschenden Folge "Lady Parts" ließ die Vorschau für diese Folge mehr erhoffen. Allerdings plätschert "Weaponizer" fast zwei Drittel beinah schon etwas langweilig vor sich hin. Erneut ist der Fall der Woche nur das Beiwerk und auch dieses Mal nicht wirklich spannend. Es gilt, den Mord an einem Action-Filmstar aufzuklären, und noch nicht mal Charisma Carpenter (Buffy) kann diesen Fall aufwerten. Dazu ist sie als Ex-Frau des Mordopfers, das sich mit allem einlässt, was nicht bei Drei auf dem Baum ist, eher schon wie erwartet besetzt. In dieser Rolle musste sie vor allem eins: gut aussehen. Check.
Allerdings wird Fans des Action-Genres hier noch ein schönes Schmankerl serviert. Mark Dacascos (The Crow, Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.) übernimmt hier passend einen Gastauftritt als bankrotter Action-Darsteller. Der übrigens nicht der Mörder war, sondern - Überraschung (nicht) - die Ex-Frau.

"Your guardian devil."

Fast nebenbei greift die Folge jedoch das Thema auf, dass Chloes Job nicht ungefährlich ist und sich ihre Tochter Trixie entsprechend Sorgen um ihre Mutter macht, gerade nach dem Unfall. Das kam bis jetzt in der Serie etwas zu kurz.
In "Weaponizer" nun ist Lucifer (Tom Ellis) ebenfalls in höchster Alarmbereitschaft. Immerhin hat Uriel ihn vor die Wahl gestellt, dass entweder binnen 24 Stunden Charlotte (Tricia Helfer) wieder in der Hölle sein muss - oder Chloe stirbt. Deswegen erklärt Lucifer sich zu Chloes persönlichem Schutzteufel und weicht ihr nicht von der Seite. Chloe reagiert wie gewohnt irritiert und glaubt Lucifer seine Motivation hierzu nicht. Ebenfalls check. Jedoch wäre Lucifer nicht Lucifer, würde er nicht weiterhin nach Schlupflöchern suchen. In diesem Fall soll Amenadiel (D.B. Woodside) es als großer Bruder richten. Immerhin ist man der vermeintlichen Überzeugung, dass Uriel ein ahnungsloser Kerl ist und von der aktuellen Konstellation nicht weiß.

"I've fallen."

Mit der Konfrontation Amenadiels präsentiert die Folge dann ihren ersten Höhepunkt. Die Darstellung von Amenadiel, der als großer Bruder den Chef im Ring raushängen lassen möchte und dabei verbirgt, dass er in seinem aktuellen Zustand ungefährlich ist, ist perfekt. Wir erleben Amenadiel, wie er Uriel als das scheinbar unwichtige, mittlere Kind provoziert und sich seiner Sache dabei sicher ist. Er ist der Erstgeborene. Lucifer der rebellische Jüngste. Und Uriel ein Niemand. Ein schönes Detail aus dem Skript ist, dass die Wahl für einen weiteren Bruder auf diesen Engel gefallen ist. Denn bis heute ist strittig, ob Uriel offiziell als Erzengel anerkannt ist - was in der römisch-katholischen Kirche nicht der Fall ist, in der orthodoxen Kirche jedoch schon.

Uriel jedoch hat Amenadiels Blendspielchen durchschaut und versetzt ihm die Prügel seines Lebens. Als Lucifer seinen übel zugerichteten großen Bruder sieht, kann D.B. Woodside wieder einen wunderbaren Moment liefern. Sein gebrochener, verzweifelter Amenadiel wirkt nicht überzogen, als er offiziell zugeben muss, dass er keine Kräfte mehr hat und bei "Dad" in Ungnade gefallen ist.

"There is my lightbringer, my morningstar."

An dieser Stelle nimmt "Weaponizer" endültig an emotionaler Fahrt auf. Charlotte präsentiert sich nach außen hin als besorgte Mutter, die mit wenigen Szenen einen Einblick zum Verhältnis zu ihren Söhnen gibt. Der wunderbar gespielte Ausraster von Tom Ellis, als Lucifer im Bezug auf seinen Vater der Kragen platzt, wird mit ihren schlichten Gesten und Kommentaren passend dazu ergänzt. Wäre man nicht sicher, dass Charlotte eigentlich ein falsches Spiel treibt, hätte sie das Herz des Zuschauers endgültig damit erobert.

In einer verlassenen Kirche kommt es dann zum Showdown zwischen Uriel und Lucifer, in dem sie sich nichts schenken. Dank des intensiven Spiels gibt es in den letzten Minuten mehr Charakterisierung als in den gesamten letzten Folgen. Zwar präsentiert sich mit dem Eingreifen von Maze, die mal wieder als letzte Rettung Lucifer zur Seite eilt, eher ein kleiner Augenverdreh-Moment - dieser wird aber schnell vergessen, als Lucifer tatsächlich seinen älteren Bruder tötet. Diese Wendung kommt doch unerwartet und trifft durch Lucifers anschließende Reaktion umso mehr. Fassungslos blickt er gen Himmel, als würde er seinen Vater umgehend für den Brudermord um Vergebung bitten wollen. Und als wäre das noch nicht genug, trifft in der Schlussmontage ein völlig verstörter Lucifer auf seine Mutter, immer noch fassungslos darüber, was er gemacht hat. Wenn man dem Teufel abnimmt, dass er den Tränen nahe ist, passt die Szene. Und greift unter Umständen als zartbesaiteter Mensch zum Taschentuch.

Fazit

Nach dem trägen Beginn nimmt "Weaponizer" gewaltig an Fahrt auf und schickt den Zuschauer auf eine emotionale Reise, die alle Schwächen der Folge überlagert. Mit der Vorschau auf "Monster" für die kommende Woche sollte klar sein, dass Lucifer seine Tat nicht einfach so wegsteckt.

Lucifer 2x6 Promo “Monster“ Lucifer Season 2 Episode 6 HD

Lucifer Staffel 2

Originaltitel: Lucifer (seit 2016)
Erstaustrahlung am 25.01.2016 bei Fox / 15.06.2016 bei Amazon Prime Video
Darsteller: Tom Ellis, Lauren German, Kevin Alejandro, D. B. Woodside, Lesley-Ann Brandt, Scarlett Estevez, Rachael Harris
Produzenten: Tom Kapinos, Ildy Modrovich, Len Wiseman, Jonathan Littman, Jerry Bruckheimer
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 51+


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