Luke Cage: Im Gespräch mit Showrunner Cheo Hodari Coker

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Luke Cage, Cheo Hodari Coker, Frankie Faison

Cheo Hodari Coker ist der Showrunner der Serie Luke Cage, die ab 30. September auf Netflix zu sehen ist. Der ehemalige Musikjournalist hat bereits an Serien wie Southland, Navy CIS: LA, Almost Human und Ray Donovan als Produzent gearbeitet und das Biopic über den Rapper Notorious B.I.G. geschrieben, den er bei seiner Arbeit beim Vibe-Magazine kennengelernt hatte.

Coker ist seit seiner Kindheit ein Fan der Comics um den afroamerikanischen Superhelden, der auch Power Man genannt wird. Coker selbst ist in New York aufgewachsen und kennt die Atmosphäre in der Stadt – das alles hat er in seine Drehbücher und den Look der Serie einfließen lassen. Für ihn steht die Evolution des Helden im Vordergrund, der zwar Superkräfte hat, aber eigentlich nicht aus dem Schatten heraustreten möchte.

R&D hatte die Gelegenheit, Coker zu seiner Kreation zu befragen.

R&D: Wie ist die Atmosphäre bei euch am Set?

Coker: Ich habe zwar sehr genaue Vorstellungen, bin aber ansonsten sehr gelassen. Weil ich diese genauen Vorstellungen habe, können die anderen sich entspannen, weil sie wissen, dass wenn ich etwas zu sagen habe, werde ich es ohne Zögern tun. Außerdem hatten wir eine absolut großartige Cast voller Profis. Sie kennen ihre Rollen, sie machen ihren Job. Aber es ist mehr als das, denn sie glauben an die Drehbücher und an das, was wir tun. Alle geben ihr Bestes.

R&D: Wie macht sich denn Mike Colter als Hauptdarsteller?

Coker: Mike ist die Nummer eins auf dem Callsheet. Er ist ein so angenehmer Typ und hey – er sieht wahnsinnig gut aus. Er ist sehr charismatisch und gleichzeitig kein bisschen arrogant, sondern eher großzügig. Er gibt seinen Mitschauspielern viel. Er weiß um seine Präsenz und gibt jedem, mit dem er gerade spielt, genug Raum. Weil er mit gutem Beispiel vorangeht, läuft alles. Er ist immer pünktlich, immer enthusiastisch, egal wie es ihm gerade geht. Seine Haltung ist auf gute Weise ansteckend, weil die anderen sich daran orientieren. Wenn der Hauptdarsteller deiner Serie kein netter Mensch ist, dann leidet das Gesamtergebnis darunter. Und Mike ist ein toller Typ.

R&D: Wie war es denn, als Colter als Cage auf direkten Konfrontationskurs mit seinem Gegenspieler Mahershala Ali als Cottonmouth ist?

Coker: Mahershala und Mike sind sehr gute Freunde und gehen sehr herzlich miteinander um. Aber wenn es Zeit zum Drehen ist, haben beide eine sehr gute Präsenz. Man hatte definitiv das Gefühl, dass die beiden sich umkreisen. Das Tolle ist – Cottonmouth hat keine Superkräfte, trotzdem gelingt es ihm, sehr, sehr bedrohlich zu wirken. Es war wirklich das Interessanteste daran, Mahershala zu sehen, wie er beweist, dass man keine Superkräfte haben muss, um ein guter Schurke zu sein. Es hat auch etwas sehr Fesselndes an sich, diesem Mann zuzusehen. Am Ende erweist es sich, dass er nur allzu menschlich ist. Es gibt sogar eine Version dieser Geschichte, bei der man fast annehmen könnte, dass er der Held ist.

R&D: Warum ist es wichtig, einen so starken Darsteller für einen Schurken zu haben? Dir scheint das sehr wichtig zu sein?

Coker: Der Grund, dass ich gern einen starken Bösewicht habe, ist der Film Stirb langsam. Die Art, wie der verstorbene Alan Rickman Hans Gruber gespielt hat, war wunderbar. Ich hatte noch nie einen Film gesehen, bei dem ich mir gewünscht habe, dass der Böse gewinnt. Aber sein Plan war einfach so gut. Auf bestimmte Weise ist Ocean's Eleven nur eine Komödienversion dieses Films. Ich habe mich daran erinnert, wie toll Rickman in der Rolle war und denke, dass man bei der Erschaffung eines neuen Schurken das alles im Hinterkopf haben sollte. Er sollte so fesselnd sein, dass selbst wenn der Held verliert, man weiterschaut, weil der Böse einfach so gut ist. Und so läuft das bei unserer Serie. Gleichzeitig haben wir einen so tollen Helden. Es macht wirklich Spaß zuzusehen, wie er sich weiterentwickelt. Er ist zunächst ein Held wider Willen, doch am Ende unserer 13 Episoden, hat er seine Rolle voll und ganz angenommen.

R&D: Mahershala Ali passt als Cottonmouth auch genau in das Schema.

Coker: Wir hatten auch Glück, dass wir mit ihm einen Schauspieler gecastet haben, der gerade eine steile Karriere macht. Ich glaube nach unserer Serie und seinem nächsten Film Moonlight wird er für den Rest seiner Karriere Hauptrollen spielen. Das hoffe ich jedenfalls und er hätte es auch vollkommen verdient. Er hat das Handwerkszeug, er hat die Präsenz, er ist bereit.

R&D: Eins muss ich unbedingt noch fragen: Du hast auch an Almost Human mit Karl Urban und Michael Ealy gearbeitetet – hast du eine Ahnung, warum die Serie gecancelled wurde?

Coker: Das war eine interessante Show! Ich habe die zweite Episode geschrieben. Ich glaube nicht, dass die Serie genug Zeit hatte, um ihr Publikum zu finden. Ich glaube, wenn man dieser Serie eine größere Chance gegeben hätte, glaube ich, dass das bestimmt passiert wäre. Ich fand, dass die Arbeit mit Karl und Michael total angenehm war.

R&D: Glaubst du, dass die Serie abgesägt wurde, weil sie zu teuer war – sie sah jedenfalls so aus.

Coker: Ich glaube bei Fox wusste man nicht recht, welche Tonalität die Serie haben sollte. Ich glaube, sie haben Blade Runner bestellt und haben sich kurz vorher überlegt, dass sie lieber Lethal Weapon wollten. Das ist schade, denn wenn eine Serie ihre Tonalität nicht findet, leidet am Ende die Qualität darunter. Das ist wirklich schade und es gilt für viele Serien, dass wenn man ihnen hilft, auf die Beine zu kommen, laufen sie auch. Nicht alles wird sofort ein Erfolg sein, aber wenn man den Sachen ein bisschen Zeit lässt, schaffen sie es von ganz allein.

R&D: Wie ist es denn mit dem Druck von oben bei Luke Cage?

Coker: Wir haben Glück, dass wir nicht in einem Network laufen. Marvel hat sich unserer Vision der Serie verschrieben und sie weitergetragen, Netflix ebenso. Wir konnten die Geschichte erzählen, die wir wollten. Es ist toll, einfach 13 Episoden zu machen, nicht einen Pilotfilm und dann mal zu sehen, wie es läuft. Man kann eine Tonalität vorgeben und sie aufrechterhalten.

R&D: Wie sieht es mir einer zweiten Staffel aus?

Coker: Je mehr die Leute tweeten und auf die Serie reagieren, wird es uns dabei helfen, eine zweite Season zu bekommen.

Ausführliche Interviews mit Cheo Hodari Coker und Luke-Cage-Darsteller Mike Colter gibt es im nächsten Heft der Geek!, das am 19. Oktober erscheint.

Luke Cage - Main Trailer - Only on Netflix September 30 [HD]

Luke Cage - Poster Staffel 1

Originaltitel: Luke Cage (ab 2016)
Erstaustrahlung am 30.09.2016 weltweit bei Netflix
Darsteller: Mike Colter (Luke Cage), Mahershala Ali ( Cornell "Cottonmouth" Stokes), Alfre Woodard (Mariah Dillard), Simone Missick (Misty Knight), Theo Rossi ("Shades" Alvarez), Frank Whaley (Rafael Scarf), Sônia Braga (Soledad Temple)
Produzenten: Cheo Hodari Coker, Jeph Loeb
Basiert auf dem gleichnamigen Marvel-Comic von Archie Goodwin & John Romita Sr.
Staffeln:
1
Anzahl der Episoden: 13


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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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