Sei hier erneut Gast - Kritik zu Die Schöne und das Biest

Mit Neuauflagen liebgewonnener Filme ist es immer so eine Sache, noch dazu, wenn sie zu den Kindheitserinnerungen gehören. Nicht wenige sind mit Disneys Zeichentrickversion von Die Schöne und das Biest aufgewachsen und könnten der Realverfilmung jetzt mit Skepsis gegenüber stehen. Verzaubert diese Version genauso wie damals? Können Gegenstände genauso geschickt zum Leben erweckt werden? Kann die neue Version jemanden, der den Film nicht als Kind gesehen hat, in den Bann der Geschichte ziehen?

Um die wichtige Antwort vorweg zu nehmen: Ja. Die Schöne und das Biest dürfte auch in der Neuverfilmung seine Zuschauer in den Bann ziehen.

Darsteller, die sich sehen und hören lassen können

Hierzu trägt eindeutig die sorgfältig ausgewählte Darstellerriege bei. Emma Watson ist prädestiniert, um Belle zu spielen. Belle ist ihrer Zeit voraus, belesen, flüchtet sich in Bücherwelten und interessiert sich für vermeintliche Männerthemen. Etwas, das zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, verpönt gewesen ist. Und doch verzaubert sie nicht nur mit ihrer Intelligenz und ihrem Wortwitz, sondern weiß auch, als das zerbrechliche Mädchen zu überzeugen. Besonders beeindruckend ist ihr Zusammenspiel mit dem Biest (Dan Stevens), wo im geeigneten Moment lediglich ein Blick genügt, um die Gefühle deutlich zu machen.

Luke Evans hat als Gaston sichtlich Spaß an seiner Rolle, er treibt den Narzissmus des Charakters gekonnt auf die Spitze. Bereits im Trailer war zu sehen, wie Gaston sein eigenes Spiegelbild lobpreist; dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Als vermeintlicher Schönling ohne viel Hirn kommt er Anfangs daher, der es letztendlich dann jedoch schafft, sich den blanken Hass ob seiner infamen Spielchen mit den Dorfbewohnern des Zuschauers zuzuziehen.

Ewan McGregor, Ian McKellen und Emma Thompson verleihen ihren CGI-Charakteren als Lumière, Von Unruh und Madame Pottine ihre eigene Persönlichkeit. Da kreiselt ein aufgedrehter Lumière durch die Küche, während Von Unruh ein brummeliger, alter Grantler und Madame Pottine so etwas wie die besorgte Mutter der Kompanie ist - und die Darsteller setzen ihre Stimmen so gekonnt ein, dass nie ein Zweifel an den verschiedenen Persönlichkeiten besteht.

Die Darsteller haben die Lieder selbst eingesungen, wie insbesondere von Ewan McGregor und Luke Evans nicht anders zu erwarten war. Emma Watson hält hier tapfer mit, bei anderen Darstellern ist jedoch klar, dass der Gesang nicht für eine große Bühne gedacht ist. Das ist im Hinblick auf den Gesamteindruck jedoch Jammern auf hohem Niveau.

Wunderschöne Kostüme treffen auf opulente Ausstattung

Ein besonderer Augenschmaus ist sicherlich die opulente Ausstattung des Films. Freunde der Zeichentrickversion wird ob des ersten Anblick des Schlosses dasselbe Grusel-Gefühl wie damals beschleichen. Ebenso beeindrucken die Kostüme, vor allem von das berühmte gelbe Ballkleid Belles.

Ist Die Schöne und das Biest denn jetzt ein 1:1-Aufguss der Zeichentrickvorlage, wie manche Nebeneinanderstellungen der Trailer vermuten ließen? Jein. Bis zu einem gewissen Teil kann man den Film von 1991 parallel zur Neuauflage laufen lassen. Jedoch gibt es in dieser Version Szenen, die nicht in der ursprünglichen Version vorkamen. Einige geben Belle noch ein wenig mehr Hintergrund und Antworten auf Fragen, die sich so mancher unter Umständen gestellt hat. Einige Änderungen sind eine Hommage an das Märchen, das beiden Filmen zugrunde liegt. Damit grenzt sich die neue Version von der alten Fassung ab und macht zudem Lust, sich nach dem Kinobesuch die Zeichentrickversion anzusehen.

Brauchte es dann also die Neuverfilmung? Definitiv ja. Denn nun traut sich der Film etwas, das die Vorlage nur andeutete: Gezeigt werden starke Frauen, die sich gegen eine männerdominierte Welt durchsetzen und deutlich machen, dass Frauen in bestimmten Positionen immer noch nicht so akzeptiert werden, wie sie es sollten. Und so ganz nebenbei schwingt Die Schöne und das Biest noch die Regenbogen-Fahne und ruft zu mehr Toleranz auf.

Fazit

Die Realverfilmung von Die Schöne und das Biest lässt den alten Zauber der Originalversion gekonnt aufleben und hebt einige Aspekte, die für unsere heutige Gesellschaft wichtig sind, spielerisch hervor. Die Kinobesucher werden mit einem wohligen Kitsch-Gefühl den Kino-Saal verlassen und beschwingt "Sei hier Gast" summen.

Beauty and the Beast – US Official Final Trailer

Die Schöne und das Biest - Neuer Trailer (deutsch | german) | Disney HD

Die Schöne und das Biest Teaser-Poster
Originaltitel:
Beauty and the Beast
Kinostart:
16.03.2017
Regie:
Bill Condon
Drehbuch:
Evan Spiliotopoulos, Stephen Chbosky
Darsteller:
Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Josh Gad, Ian McKellan, Emma Thompson
Die Realverfilmung des Disney-Zeichentrick-Klassikers.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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