Rache, Reue, Röchel, Röchel - Kritik zu The Pope’s Exorcist

Der italienische Priester Gabriele Amorth war jahrelang Chef-Exorzist im Vatikan. Basierend auf seinen Berichten wurden in The Pope's Exorcist einige seiner Erlebnisse nun als Horrorstoff verarbeitet. In der Hauptrolle darf Oscargewinner Russell Crowe als vom Papst persönlich beauftragter Exorzist mit schwingender Robe wortwörtlich das Böse bekämpfen.

Pünktlich zum Osterfest geht es in die Messe – allerdings diesmal im Kino und nicht in der Kirche. Pater Gabriele Amorth (Crowe) wird in ein spanisches Dörfchen gerufen, um einen Exorzismus an einem kleinen Jungen vorzunehmen. Dessen Familie ist gerade in eine ehemalige Abtei gezogen, und ein Dämon hat sich seines Körpers bemächtigt. Doch geht es dem Dämon wirklich um den Jungen? Wohl nicht, denn bald wird klar, dass er nach dem Chef-Exorzisten selbst sucht.

Und auch Amorth selbst hat eine düstere Vergangenheit. Zusammen mit dem jungen Priester Pater Esquibel (Daniel Zovatto) deckt er schließlich eine Verschwörung auf, die bis zur spanischen Inquisition zurückgeht und in die sogar der Papst (Franco Nero) involviert sein soll.

Der Exorzist des Papstes – eine bekannte Mediengestalt

Die Hintergrundgeschichte zu The Pope's Exorcist bieten die Memoiren des (real existierenden) Priesters Gabriele Amorth, der 2016 im Alter von 91 Jahren verstarb. Ab 1986 war er führender Exorzist in der Diözese Rom. Amorth war zudem Urheber zahlreiche Bücher, Artikel und Interviews zur Exorzismus-Auslegung der römisch-katholischen Kirche.

Immer wieder kritisierte er die katholische Kirche dafür, dass sie die von Besessenheit Betroffenen im Stich ließe. Zugleich legte er Wert auf eine deutliche Unterscheidung seiner Arbeit von möglichen psychologischen oder medizinischen Ursachen für eine vermeintliche Besessenheit.

Trotz dieser recht modern wirkenden Haltung gab sich Amorth jedoch in anderen Belangen recht traditionell katholisch und konservativ: So bezichtigte er beispielsweise einen indischen Religionsführer, ein direkter Nachkomme Satans zu sein, ebenso verurteilte er Yoga und die Buchreihe um den prominenten Zauberlehrling Harry Potter als „satanisch". Auch sei er täglich mit dem Satan im Dialog, wobei dieser laut dessen Aussage Italienisch spräche. Er will zudem über 70.000 (andere Quellen sprechen von 160.000) Exorzismen durchgeführt haben. Hierbei dürften dann wohl einige Schnellverfahren dabei gewesen sein. So weit, so schillernd – Amorth ist definitiv eine Figur, deren Thesen und Bedeutung eine Verfilmung rechtfertigen.

Eine Ebene zu wenig für einen klugen Film

Leider jedoch bildet The Pope's Exorcist all diese Fakten rund um die Arbeiten und Aussagen Amorths so gut wie gar nicht ab. Vielmehr scheint sich Regisseur Julius Avery (Son of a Gun) eher grob an den Memoiren orientiert zu haben. Das ist insofern schade, als man hier neben der zu erwartenden Horrornote auch eine spannende Ebene hätte einziehen können, die eine Diskursmöglichkeit zwischen der modernen Welt und der Kirche geboten hätte.

Was wäre möglich gewesen, wenn man den Fokus auf die Anerkennung von Mental-Health-Themen und die psychologische Behandlung im religiösen und gesellschaftlichen Kontext gelegt hätte? Bedauerlicherweise liefert der Film hier bis auf ein paar verkürzte Binsenweisheiten („Die meisten Fälle benötigen keinen Exorzisten, sondern nur jemanden, der ihnen zuhört und sie versteht") recht wenig Tiefe.

Stattdessen bedient The Pope's Exorcist ziemlich genau das, was bereits der Trailer verrät: Grusel, Gefauche und Gestöhne eines besessenen Kindes (kennen wir schon aus dem Original-Exorzisten) und eine mehr als löchrige Backstory. Doch was soll Logik bei dieser recht generischen Exorzismus-Geschichte schon groß ausrichten?

Crowe mit Kreuz und Weihwasser

Dabei verlässt der Film so gut wie nie die bekannten Pfade des Genres, und es werden alle gängigen Klischees durchgespielt. Da wird gekrächzt, geröchelt, es werden Körper durch die Gegend geschleudert und geheime Schriften und unterirdische Keller entdeckt. Und beinahe alle zehn Minuten erklärt Crowe als knarziger Priester die Regeln, denen ein Dämon offenbar folgt. Praktischerweise hält dieser sich auch genau ans Horror-Drehbuch. Danke, lieber Dämon. Das ist zumindest eine Weile lang recht unterhaltsam – besonders, wenn im letzten Drittel des Filmes spürbar ein Gang hochgeschaltet wird.

Auch Amorth selbst wird vom Dämon bedroht und darf in ein paar (leider zu kurzen) Szenen schweben, spucken und auch sonst recht gruselig dreinschauen. Crowes Spiel überzeugt hier jedoch leider nur halb. Als grummeliger Priester findet er sich besser in der Rolle zurecht, und sogar sein Italienisch scheint passabel, sodass der aufgesetzte englisch-italienische Akzent nur kurz irritiert. Da macht es auch fast nichts, dass die Logik gerade zum schwülstigen Showdown hinten ansteht – schließlich geizt The Pope's Exorcist nicht mit ikonischen Bildern. (Ja, ein Wortspiel. Seht selbst.)

Der Humor kommt streckenweise ebenfalls nicht zu kurz. Das passt zwar von der Tonalität nicht so ganz zum Rest, gibt dem Film jedoch die dringend benötigte Auflockerung. Denn die gewichtigen Beschwörungen und die durchweg mit einem unheilvollen Brummen (warum hassen moderne Filmemacher anständige Soundtracks?) unterlegten Szenen voll düsterer Geheimnisaufdeckerei in der Mitte des Films sind streckenweise etwas langatmig geraten.

Ein Problem hat The Pope's Exorcist jedoch, und das kann leider nicht ausgeblendet werden: Der Film will für Pater Amorth das sein, was die Conjuring-Reihe für die beiden Geisterbeschwörer Ed und Lorraine Warren wurde. Jedoch ist The Pope's Exorcist trotz anständiger Setdesigns und einer temporeichen Regieführung nicht mal ansatzweise gruselig genug, um die beliebte Reihe zu beerben. Auch dass zum Schluss eine mögliche Fortsetzung angekündigt wird, mag noch nicht ganz verfangen - aber die Wege des Herren sind ja bekanntlich unergründlich.

Fazit

The Pope's Exorcist ist einen Blick wert, weil er die Themen, denen Pater Amorth sich widmete, zumindest anschneidet, auch wenn die Hollywood-Klischees am Ende überwiegen. Der Film erfindet das Rad nicht neu, macht aber auch nichts grundlegend falsch – so kann man sich also recht entspannt mit einer Portion Popcorn dem satanischen Spaß widmen. Gruseln wird man sich eher nicht.

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Herabwürdigende, verletzende oder respektlose Kommentare werden gelöscht.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.