Ajin - Demi-Human

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Ajin Title

Originaltitel: jap. 亜人 (2016)
Erstaustrahlung am 16.01.2016 bei TBS / 12.04.2016 bei Netflix
Sprecher: Kei Nagai (Patrick Baehr), Izumi Shimomura (Nicole Hannak), Kaito (Till Völger), Kōji Tanaka (Bernhard Völger), Satō (Uwe Jellinek), Tosaki (Sven Gerhardt), Eriko Nagai (Anna Gamburg), Ikuya Ogura (Tim Moeseritz)
Produzenten: Naoya Tanaka
Staffeln: 1
Anzahl der Episoden: 13


Kritik

von Tobias Maibaum. Während Animationsfilme im Westen schon länger beinahe ausschließlich auf CGI zurückgreifen wird in Japan noch per Hand gezeichnet. Weil das aber mühsam und oft sehr teuer ist, tauchen nun immer mehr 3D-Modelle in Anime-Produktionen auf. Die 13-teilige Serie Ajin: Demi-Human ist dabei eine der wenigen, die vollständig auf die Technik setzt und trotzdem überzeugen kann.

Der Anime von Polygon Pictures erzählt die Geschichte von unsterblichen Menschen, genannt Ajin, die sich nach jeder noch so schweren Verletzung innerhalb von Sekunden vollständig regenerieren können. Was das wirklich bedeutet erlebt der Schüler Nagai Kei, nachdem er von einem Laster überfahren wird und wieder aufersteht. Er wird sofort vom ganzen Land gejagt, da Ajin von der Regierung für brutale Experimente missbraucht werden und keine Menschenrechte geltend werden.

Bei seiner Flucht lernt er andere Ajin kennen, die durch monatelange Folter großen Hass auf die Menschheit entwickelt haben und mit aller Gewalt für ihre Rechte kämpfen. Zur selben Zeit findet die Regierung heraus, dass manche Unsterbliche lebensgroße, für normale Menschen nicht sichtbare, Schatten erzeugen können, mit denen sie jederzeit und überall töten können. Nagai Kei muss sich im Verlauf der Serie entscheiden für welches Übel er sich entscheidet; Verrat an seinen Kameraden oder sich die gesamte Menschheit zum Feind machen.

Ajin Screenshot©Netflix

Wie vielleicht schon durchschimmern konnte, ist Ajin: Demi-Human nicht für jedermann. Exzessive Gewaltdarstellung, eine bierernste Geschichte und selbstsüchtige Charaktere sorgen für durchgehende Spannung und großartige Actionsequenzen. Der beste Punkt des Animes sind die Motivationen der Charaktere: Niemand ist ein Held, jeder handelt für sich selbst. So gibt es keine Schwarz-Weiß-Darstellung von Gut und Böse, da alle Handlungen teils erschreckend nachvollziehbar sind. Nur der Hauptcharakter wirkt ein wenig steril, seine Präsenz wird ab dem zweiten Drittel jedoch zum Glück drastisch abgebaut.

Die Moral der Geschichte, die typische Frage nach der Essenz der Menschlichkeit, wird zwar keinen Zuschauer vom Hocker reißen, ist jedoch mit interessanten, kurzen Einblicken in Politik und Pharmaindustrie verbunden. Passend zum Thema ist der optische Stil stets passend dunkel gehalten, macht aber bis auf die vollständige Bearbeitung in CG nichts Neues. Der Soundtrack stammt von Kanno Yuugo, der sich mit Psycho Pass einen Namen gemacht hat, und enthält eine gute Mischung aus orchestraler und elektronischer Musik.

Lohnt sich die Manga-Adaption also? Fans von experimenteller Technik und gut inszenierten Actionsequenzen kann Ajin bedenkenlos empfohlen werden, wer aber bisher nur Shounen-Anime gesehen hat wird sich nicht so schnell damit anfreunden können.