Sense8

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Sense 8

Originaltitel: Sense8 (seit 2015)
Erstaustrahlung am 05.06.2015 bei Netflix
Darsteller: Aml Ameen, Doona Bae, Jamie Clayton, Tina Desai, Tuppence Middleton, Max Riemelt, Miguel Ángel Silvestre, Brian J. Smith, Freema Agyeman, Anupam Kher, Terrence Mann, Naveen Andrews
Produzenten:  Andy Wachowski, Lana Wachowski, J. Michael Straczynski
Staffeln: 1+
Anzahl der Episoden: 13+


Inhalt

Sense8 erzählt die Geschichte von acht Menschen, die plötzlich geistig miteinander kommunizieren können und sogar in der Lage sind, Fähigkeiten der anderen sieben Personen zu nutzen. Dabei steht jeder der Charaktere vor seiner ganz eigenen Herausforderung. Lito, gespielt von Miguel Ángel Silvestre, ist beispielsweise ein mexikanischer Schauspieler, der vor der Öffentlichkeit seine Homosexualität verheimlicht. Wolfgang (Max Riemelt) hat dagegen ganz andere Probleme. Der Berliner plant den Diebstahl eine große Menge Diamanten. Diese könnte wiederum Capheus (Aml Ameen) in Nairobi ganz gut gebrauchen. Seine Mutter ist mit dem AIDS-Virus infiziert und benötigt dringend teure Medizin.

Kritik

Was Optik und Inszenierung von Sense8 anbetrifft, kann man vor der neuen Netflix-Serie nur seinen Hut ziehen. Allein die Tatsache, dass die Dreharbeiten für jeden der Charaktere auch tatsächlich in dessen Heimat stattfanden, sorgt für richtig viel Flair und Authentizität. Die Produktion begann im Juni 2014 und besuchte Chicago, San Francisco, London, Berlin, Seoul, Reykjavík, Mexico City, Nairobi sowie Mumbai. Auch bei der Wahl der Darsteller gibt es eigentlich nichts zu kritisieren. Neben den bereits genannten Schauspielern machen auch die verbleibenden fünf Hauptdarsteller Brian J. Smith, Tuppence Middleton, Bae Doona, Tina Desai und Jamie Clayton einen guten Job. Dazu kommt Lost-Darsteller Naveen Andrews, der in Laufe der Handlung immer wieder auftaucht. Warum Daryl Hannah im Vorspann eine Nennung erhält, ist anhand der ersten sechs Folgen dagegen nicht ganz nachvollziehbar. Abgesehen von den ersten 5 Minuten ist die Schauspielerin in den weiteren Folgen praktisch kaum noch zu sehen.

Während Sense8 sowohl optisch als auch schauspielerisch also durchaus überzeugen kann, lässt man inhaltlich zunächst einmal richtig viel liegen. Wie bei Netflix-Serien üblich handelt es sich bei der Serie mehr oder weniger um einen langen Film. Dieses Phänomen haben viele Serien des Streaming-Dienstes und es gilt in der Regel als deren große Stärke. Der Zuschauer muss dabei jedoch meist damit leben, dass die Handlung etwas Zeit benötigt, um in Schwung zu kommen. In Sense8 wird dies jedoch stark strapaziert. Aufgrund der Tatsache, dass man in der ersten Folge gleich acht Figuren vorstellen muss, passiert praktisch nichts. Das Drehbuch ist so sehr mit der Vorstellung beschäftigt, dass die Handlung auf der Strecke bleibt. Erst die letzten 10 Minuten nehmen gehörig an Fahrt auf und machen Hoffnungen für die zweite Folge. Hier passiert jedoch dummerweise fast genau das Gleiche. Die Handlung verliert sich über ¾ der Folge in den Einzelschicksalen, bevor dann im letzten Viertel erst wieder etwas passiert. Dieses Problem ändert sich erst ab der fünften Folge, was eindeutig zu spät kommt.

Der langsamen Einstieg führt zudem dazu, dass die Figuren praktisch alle erst einmal nur ihr eigenes Abenteuer erleben. Als Zuschauer schaut man also mehr oder weniger acht verschiedene Serien, die sich gegenseitig ständig unterbrechen und kaum miteinander im Zusammenhang stehen. Dabei rückt auch das übernatürliche Konzept von Sense8 sehr weit in den Hintergrund. Dies wäre an sich kein Problem, wenn die jeweiligen Geschichten alle interessant und spannend wären, was jedoch leider nicht der Fall ist. Natürlich ist es immer Geschmacksache, aber eine Handlung über ein indisches Mädchen, das merkt, dass sie den Mann, den sie heiraten soll, nicht liebt, gewinnt heute keine Preise mehr. Andere Handlungsstränge sind dagegen besser gelungen und wissen durchaus zu unterhalten. Unabhängig davon bleiben viele Charaktere jedoch vergleichsweise oberflächlich, selbst wenn die Darsteller noch das Beste herausholen.

Auch wenn diese Kritik zunächst einmal nur die ersten sechs Folgen von Sense8 betrifft, muss man doch festhalten, dass die Serie zu Beginn sehr viel Potenzial verschenkt. Die gute Grundidee wird kaum ausgenutzt, dafür konzentriert sich die Handlung zu sehr auf die nicht immer originellen Einzel-Geschichten der verschiedenen Figuren. Trotz Netflix-Herkunft braucht man zudem viel zu lange, um in Schwung zu kommen. Für die verbleibenden sechs Folgen besteht jedoch durchaus Hoffnung. So gehören die ersten echten Aufeinandertreffen der Charaktere zu den bisherigen Höhepunkten, auf die hoffentlich weiter aufgebaut wird.